| Nach Ende der Planauslegung und
der Einwendungsfrist ist als Ergebnis der Prüfung festzustellen, dass die Planunterlagen
grob lücken- und fehlerhaft sind und mehr verschleiern als
sie preisgeben. Das Projekt "Fahrrinnenanpassung" wird
in sämtlichen Kernfragen Bedarf, Wirtschaftlichkeit, Arbeitsmarkteffekt,
Umweltverträglichkeit und Deichsicherheit auf mangelhafte,
falsche, veraltete, unbrauchbare oder verheimlichte Daten gestützt.
Es ist im Ergebnis eine gigantische Verschwendung öffentlicher
Steuergelder zugunsten weniger Baggerfirmen und Reeder, das obendrein
noch lebensgefährliche Risiken beinhaltet. Die Planunterlagen
basieren in vielen Punkten auf offensichtliche Gefälligkeitsgutachten
mit eklatanten Fehlern, die noch nicht einmal als Leistungsnachweis
an Hochschulen geeignet wären. Viele unverzichtbare Daten,
Grundlagen und Gutachten wurden der Öffentlichkeit und
den Betroffenen vorenthalten. Die Planunterlagen genügen
den gesetzlichen Anforderungen in mehrfacher Hinsicht nicht.
Beispielsweise soll laut Planunterlagen "wissenschaftlich" belegt
die Belastung des Deckwerks und des Deiches durch Fußgänger
höher sein als durch Schiffswellen. Derart offensichtliche
und grobe Fehlaussagen in wesentlichen Punkten sind die Regel,
detailliert nachzulesen im Gutachten zum Planfeststellungsantrag
des BUND von Walter Feldt, die auch auf unser Seite unter
Fakten/BUND und WWF Studien zur Elbvertiefung und Hafenkonzepte
zum Download bereitsteht.
Weiterhin zeigte sich, dass die Schäden durch die letzte
Elbvertiefung erheblich umfangreicher sind als bisher bekannt
wurde. Direkt betroffen sind durch erhöhte Strömungsgeschwindigkeit
sämtliche Sperrwerke der Nebenflüsse in ihrer Standsicherheit,
Wattflächen und Vorland durch Erosion auch FFH-geschützer
Gebiete wie zum Beispiel vor Belum und am Hullen, sowie die Sohle
und die Böschungen der Fahrrinne. Durch Schiffswellen sind
Schäden an nahezu allen Buhnen, Deckwerken und Sieltoren
sowie vielen Deichbereichen entstanden. Die Fischerei hat durch
Verlust und Beeinträchtigung von Fangplätzen erhebliche
Einbußen zu verzeichnen. Die Unterhaltungsbaggerungen haben
sich vervielfacht und die Verschlickung der Nebengewässer
und Häfen hat dementsprechend drastisch zugenommen. Auf
die Sportschifffahrt kommt - auch ohne erneute Elbvertiefung
- eine immense Kostenlawine zu, die durch den angebotenen Schlickfonds
nicht spürbar gedämpft werden kann.
Das Regionale Bündnis gegen Elbvertiefung sieht den Verzicht
auf die vorgezogene Teilbaumaßnahme als Teilerfolg und
begrüßt die Haltung der Niedersächsischen Landesregierung
sowie das Einlenken des Hamburger Senats. Die Prüfung der
Planunterlagen hat die Sorgen und Bedenken gegen die Elbvertiefung
aber nicht zerstreut sondern verstärkt, was die Flut von
ca. 4100 Einwendungen gegen die Elbvertiefung eindrucksvoll bestätigt.
Die Prüfung der Planunterlagen und die Äußerungen
der Hamburger Politik und Wirtschaft lassen erkennen, dass die
Elbvertiefung nicht mit seriöser technischer, ökologischer
und ökonomischer Wissenschaft sondern mit Hilfe von Gefälligkeitsgutachten,
Massenpsychologie und Rhetorik gegen alle Vernunft durchgesetzt
werden soll. Auch unter Berücksichtigung der beschworenen
Effekte für Arbeitsplätze und Wirtschaft ist die erneute
Elbvertiefung unwirtschaftlich, gefährlich und in keinem
der Einzelaspekte vertretbar.
Die Planunterlagen und ihre Gutachten sind in der Gesamtbewertung
als einseitig zielgerichtet und unseriös zu bezeichnen.
Das Regionale Bündnis gegen Elbvertiefung fordert vorrangig
eine aktuelle und seriöse Nutzen-Kosten-Analyse und setzte
seine Arbeit mit neuen Schwerpunkten fort. Insbesondere sollen
die Erkenntnisse aus der Prüfung der Planunterlagen der Öffentlichkeit
und den Politikern bekannt gemacht werden. Auf dem nächsten
Treffen des Bündnisses am 15. Mai um 19.00 Uhr im Marc5
in Cadenberge wird über die künftige Zielrichtung und
weitere Aktionen beraten. Geplant sind - von einer Initiative
in Winsen ausgehend und in Anlehnung an die Montagsdemonstrationen
der ehemaligen DDR - regelmäßige Demonstrationen an
jedem Ersten des Monats auf den Deichen und der Elbe. Weiterhin
sind auch Aktionen in Berlin und Hamburg geplant.
Mit freundlichen Grüßen
für das Regionale Bündnis gegen Elbvertiefung
Walter Rademacher
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